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Web Navigation – Ankerpunkt der Informationsverwaltung

Die Web-Navigation ist eines der wichtigsten Elemente einer Webseite. Sie vermittelt eine Übersicht des Inhalts und strukturiert ihn hierarchisch. Ohne die Navigation wären die Inhalte nur lose, durch in Text eingebettete Links, verbunden. 

Die Web-Navigation ünterstützt dadurch die Findbarkeit (findability) von Informationen, denn das Informationsangebot auf dem Web ist riesig
. Ein grosses Angebot für die Webnutzenden bedeutet jedoch auch viel Konkurrenz unter den Webanbietern.
Finden Webnutzende ihre Informationen nicht innerhalb von ca. 2 Minuten, verlassen sie die Seite. Eine klare Struktur der Navigation bzw. der gesamten Webseite ist deshalb ein Wettbewerbsvorteil.

Für eine übersichtliche Navigation ist zu beachten (Inhaltsübersicht):

  1. Wie sehen die Webnutzenden ihre Umwelt?
  2. Wie sind Informationen in den unterschiedlichen Rubriken organisiert und strukturiert (Informationsarchitektur)?
  3. Informationssuche - welche Rubriken klicken Webnutzende an?
  4. Welche Begriffe werden für die Beschriftung der Rubriken in der Navigation ausgesucht (Labeling)?
  • Informationssuche, wie sehen Webnutzende ihre Umwelt

  • Online-Umfragen

    Bild mentale Modelle

    mentale Modelle


    Grundsätzlich ist das Hauptbedürfnis eines Webseitenbesuchers das Finden von Informationen. Wie vorher angedeutet besteht ein Mehrwert, wenn die Informationen auf eine einfache und effiziente Weise beschafft werden können. Nur, das ist nicht immer ganz einfach, da eine Webseite ein Vielzahl von Informationen speichert. Wie findet der Informationssuchende nun die richtige Information, wie geht er vor?


    Ein Grossteil basiert auf Erfahrungen und die dadurch an die Webseite gestellten Erwartungen. Wenn Webnutzende eine Webseite besucht haben, bilden sie aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen eine Vorstellungen (mentales Modell) wo, d.h. in welcher Rubrik, eine Information gefunden werden kann. Demnach werden sie in der Navigation nach Rubrikbegriffen Ausschau halten, die ihrem mentalen Modell entsprechen. 

    Wie sind nun Informationen beim Webnutzenden abgespeichert? Das menschliche Gedächtnis kann als ein Kategoriensystem verstanden werden. Kategorien wie diejenigen, was ein Vogel ist, werden darin repräsentiert und mit bestimmten Ausprägungen besetzt.
    Ausprägungen für das Beispiel Vogel könnten sein: hat einen Schnabel, hat Federn, kann fliegen etc.
    Selbstredend besitzen nicht alle Menschen die gleichen Kategorien bzw. die Kategorien haben nicht den gleichen Detaillierungsgrad. Je mehr sie über einen Bereich wissen, umso detaillierter sind ihre Kategorien über den Inhalt einer Materie ausformuliert.


  • Informationsarchitektur, Aufbau der Navigation


  • Die Informationsarchitektur beschreibt den Aufbau, das Gerüst, oder eben die Architektur von Informationen einer Webseite, die anhand der Navigation für den Webnutzenden ersichtlich ist. Ziel ist es, die Interaktion mit Webnutzenden so mühelos wie möglich zu gestalten.

    Um die Interaktion zu erleichtern, werden innerhalb der Navigation themenspezifische Kategorien resp. Rubriken gebildet. Wie im letzten Abschnitt beschrieben, ist das Wissen beim Menschen in einem individuellen Kategoriensystem strukturiert. Die Herausforderung besteht nun darin, die Rubriken der Navigation so zu bilden, dass sie dem Kategoriensystem der Webnutzenden entsprechen.

    Die Informationsarchitektur kann jedoch nicht für alle Webnutzenden gleichermassen verständlich sein. Methoden wie das Card-Sorting helfen herauszufinden, wie die Navigation aufgebaut werden kann, sodass sie für eine Mehrheit verständlich und gebrauchstauglich ist.


  • Suchen und gefunden werden - welche Rubriken klicken Webnutzende an?


  • Klicken Webnutzende in der Navigation auf eine Rubrik, wird der Nutzen der dort gegebenen Informationen mit eigenen Erwartung (welche Informationen möchte ich in den Unterrubriken finden) verglichen.

    Rubrikbegriffen kommt nun insofern eine wichtige Rolle zu, als dass sie einen Inhalt (weitere Unterrrubriken) repräsentieren müssen. Je aussagekräftiger die Rubrikbegriffe sind und einen bestimmten Inhalt vermuten lassen können, desto besser werden die gewünschten Informationen gefunden. 

    Nach der Information-foraging-Theorie besitzten Rubrikbegriffe einen information scent, einen spezifischen "Informationsgeruch". Sind Webnutzende auf der Suche nach Informationen,besitzen sie Vorstellungen und mentale Modelle, wo sie die Information finden können. Stimmt nun der Informationsgeruch resp. die Aussagekraft eines Rubrikbegriffs mit den Erwartungen (Erwartungskonformität) der Webnutzenden überein, wird die entsprechende Rubrik angeklickt.

    Webdesignende sollten sich daher genau überlegen, welche Aussage sie mit Rubrikbegriffen machen wollen und die Aussagekraft gewisser Begriffe mit Webnutzenden testen.


  • Auswahl überschneidungsfreier Rubrikbegriffe


  • Die Beschriftung von Rubriken der Navigation ist essentiell für die findability von Informationen. Durch die Beschriftung wird u.a. vorgegeben, welchen Pfad die Webnutzenden einschlagen müssen, um die richtigen Informationen in der richtigen Rubrik zu finden. 

    • Die Rubrikbegriffe sollten einfach gehalten sein und alle dem gleiche Abstraktionsgrad entsprechen
    • Es ist darauf zu achten, an welche Benutzergruppe die Webseite gerichtet wird, um den optimalen Abstraktionsgrad bestimmen zu können
    • Auf englische Begriffe sollte soweit als möglich verzichtet werden, Fremdsprachenkenntnisse der Webbesuchenden werden meist überschätzt
    • Rubrikbegriffe sollten nicht zweideutig sein und Rubriken voneinander klar abgrenzen. Ein Beispiel dafür ist der Begriff "Service". Befragen Sie 5 Personen und Sie erhalten 3-5 unterschiedliche Meinungen was der Begriff "Service" beinhaltet. Zudem wird der Begriff im Englischen anders verwendet als im Deutschen, Missverständnisse sind die Folge.
    • Die Hauptrubrikbegriffe sind so zu wählen, dass sie den Informationsgehalt des Inhalts bestmöglich abdecken. Wichtig ist die Bedeutung (Semantik) des Begriffes, denn vielfach bestehen einige synonyme Begriffe, die zu einer Rubrik passen würden
    • Weiter ist die Anzahl der Rubriken einer Navigation zu beachten. Das Kurzzeitgedächtnis des Menschen ist in der Aufnahme von Informationen begrenzt. So kann das menschliche Gehirn nicht mehr als 7 plus/minus 2 Informationseinheiten kurzzeitig speichern. In Bezug auf die Rubrikbegriffe heisst das: Wenn zu viele Begriffe auf einmal präsentiert werden hat der Webnutzende beim Lesen die ersten Begriffe vergessen, wenn er bei den letzten angelangt ist.

    Weiterführende Literatur


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