Usability-Checkliste - 10 Richtlinien für das Webdesign

Jakob Nielsen verfasste in den Jahren1996 - 2005 Top 10 Listen mit den verbreitetesten Usability-Fehlern von Webseiten. 2007 folgte eine Zusammenfassung der Highlights: Top 10 Fehler im Web-Design. Bei einigen dieser Grundsätze werden sie vielleicht denken, "das ist doch klar" oder "diesen Fehler würde ich nie begehen". Doch sind viele dieser Vergehen oft anzutreffen und erschweren so den Umgang mit dem Web.

Die nachfolgende Auflistung wurde aus dem Englischen übersetzt. Der Originalbericht können Sie bei
Jakob Nielsen's Alertbox nachlesen.

Inhaltsübersicht:

  1. Schlechte Suchfunktion
  2. PDF-Files für das Online-Lesen
  3. Die Farbe besuchter Links wird nicht gewechselt
  4. Texte, die nicht gescannt werden können
  5. Fixierte Schriftgrösse
  6. Seitentitel mit schlechter Aussagekraft für Suchmaschinen
  7. Alles, das wie Werbung aussieht
  8. Webkonventionen verletzen
  9. Das Öffnen neuer Browser-Fenster
  10. Das Nicht-Beantworten der Fragen von Webnutzenden
  • 1. Schlechte Suchfunktion

    • Suchfunktionen, die Suchanfragen mit Tippfehlern, Bindestrichen etc. nicht richtig bearbeiten stellen Webnutzende häufig vor grosse Probleme
    • Die Suchresultate sollten nach Wichtigkeit, nicht nach Anzahl übereinstimmender Begriffe angeordnet werden
    • Eine Suchfunktion sollte als simple Box präsentiert werden
    • Suchfunktionen sollten eine erweiterte Suche für fortgeschrittene Webnutzende ermöglichen

  • 2. PDF-Files für das Online-Lesen

    • Webnutzende werden durch das Aufrufen von PDF-Files in ihrem Browsing-Verhalten unterbrochen  
    • Einfache Anwendungen wie das Speichern oder Drucken eines Dokumentes können bei den Browsern Probleme verursachen und stören dadurch das Browsen
    • Layouts von PDF-Files sind für die normale Blattgrösse optimiert, nicht für Browser. Infolgedessen werden die Texte vielfach nicht passend dargestellt
    • Das Navigieren in PDF-Files ist schwieriger als auf der Webseite

    Das PDF-Format eignet sich hervorragend zum Drucken von Dokumenten. Informationen aber, welche auf dem Bildschirm durchsucht oder gelesen werden, sind übersichtlicher auf realen Webseiten.


  • 3. Die Farbe besuchter Links wird nicht gewechselt

    • Webnutzende können den gegenwärtigen Standort auf der Webseite besser erfassen, wenn vergangene Navigierungsschritte sichtbar sind
    • Die veränderte Farbe vereinfacht die Entscheidung, welche Seite sie als nächstes besuchen sollen
    • Webnutzende können besuchte Links, die keinen weiteren Nutzen versprechen, eher ausschliessen
    • Die veränderte Farbe hält sie dadurch ab eine Seite zweimal zu besuchen

    Wenn die Farbe besuchter Links nicht wechselt haben Webnutzende grössere Probleme sich auf einer Webseite zurechtzufinden.


  • 4. Texte, die nicht gescannt werden können

    • Ein Block mit Text ist tödlich für eine gute interaktive Erfahrung
    • Ein Text sollte für Onlineleser geschrieben werden, nicht für eine Druckausgabe. Einige Tricks, die es zu beachten gilt:
      • Eindeutige Überschriften
      • Aufzählungen mit Aufzählungszeichen (verdichtet den Text)
      • Schlüsselwörter hervorheben
      • Struktur des Textes, kurze Abschnitte verwenden
      • Schreibstil gemäss dem Prinzip der umgekehrten Pyramide: Kernbotschaft zuerst, Hintergründe an den Schluss des Artikels
      • Einfacher Schreibstil, keine komplexen Begriffe verwenden
      • Keine aufgeblasene Sprache, keine Marketingslogans verwenden

  • 5. Fixierte Schriftgrösse

  • Die Schriftgrösse von Webseiten ist meistens fixiert (absolut), mit fest vorgegebenen Pixeln. In 95% der Fälle ist diese fixierte Schriftgrösse sehr klein, sodass die Lesbarkeit schwierig ist, v.a. für Personen über 40. Relative Schriftgrössen erlauben den Webnutzenden, die Schriftgrösse ihren Bedürfnissen anzupassen.


  • 6. Seitentitel mit schlechter Aussagekraft für Suchmaschinen

  • Für die Websuche sind Suchmaschinen heute nicht mehr wegzudenken. In Suchmaschinen ist hauptsächlich der bescheidene Seitentitel dafür verantwortlich, die Aufmerksamkeit von Webnutzenden zu wecken. Er wird weiter verwendet bei:

    • Standardtext der Lesezeichen
    • Browser-Fenster in der Taskleiste, ermöglicht den Wechsel zwischen den offenen Webseiten

    Wenn alle Seitentitel mit den gleichen Begriffen beginnen, ist die Usability für Webnutzende denkbar schlecht, es sollten daher einige wenige Informationen zum Seiteninhalt zusätzlich gegeben werden.


  • 7. Alles, das wie Werbung aussieht

  • Infolge einer selektiven Aufmerksamkeit (zielgerichtete Aufmerksamkeit), ist es Webnutzenden möglich, nicht interessierende Inhalte auszublenden. Sie haben gelernt Werbung und der Werbung ähnliche Inhalte zu ignorieren:

    • Banner Blindness (Blindheit): Webnutzende fixieren niemals etwas, das einem Banner gleicht
    • Vermeidung von Animationen: Webnutzende ignorieren blinkende Animationen
    • Pop-up-Fenster: Webnutzende schliessen Pop-up-Fenster oftmals bevor sie den Text gelesen haben

  • 8. Webkonventionen verletzen

  • Wenn sich Dinge immer gleich verhalten (Konsistenz), müssen sich Webnutzende niemals sorgen, was als Nächstes geschehen wird. Ihre Erfahrung leitet sie.
    Je häufiger sich die Erwartungen von Webnutzenden bewahrheiten, desto mehr verspüren sie Kontrolle. Je häufiger jedoch ein System die Erwartungen nicht erfüllt, desto unsicherer werden sie.

    Webdesignende sollten daher nicht gegen den Strom schwimmen. Wenn Webnutzende ihre Erwartungen aufgrund früherer Weberfahrungen gebildet haben, sind diese beständig. Sie möchten sich nicht immer aufs Neue anderen Anwendungen und Strukturen anpassen.


  • 9. Das Öffnen neuer Browser-Fenster

  • Gemäss der Auffassung mancher Webdesignenden können Webnutzende eher auf der eigenen Webseite gehalten werden, wenn sich beim Anklicken eines Links ein neues Fenster öffnet.

    • Webnutzende können mit dem "Zurück-Button" selbst zur vorherigen Webseite zurückkehren
    • Sie bemerken jedoch oftmals nicht, wenn sich ein neues Fenster geöffnet hat
    • Den Zurück-Button zu blockieren, in der Hoffnung Webnutzende bleiben dadurch auf der eigenen Webseite, ist auch nicht die Lösung, Desorientierung ist die Folge

    Ein Link sollte nur eine einfache Hypertext-Referenz sein, die den gegenwärtigen Inhalt mit neuem Inhalt ersetzt. Webnutzende mögen keine Pop-up-Fenster.


  • 10. Das Nicht-Beantworten der Fragen von Webnutzenden

  • Webnutzende sind zielorientiert. Sie besuchen Webseiten, weil sie Informationen erhalten d.h. ihre Fragen beantwortet haben möchten.

    • Wenn Webnutzende Informationen nicht finden, müssen sie annehmen, dass die Webseite nicht ihren Bedürfnissen entspricht
    • Wenn Informationen unter einer dicken Schicht von Marketingslogans vergraben sind, werden die interessierenden Informationen oftmals übersehen
    • Häufig werden Fragen der Webnutzenden im Suchprozess, wie die Preise eines Produktes, nicht beantwortet. Das Wissen des Preises ist eine Schlüsseleigenschaft, Webnutzende können dadurch zwischen verschiedenen Produkten differenzieren

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