Usability Wissen

» ISO-Standards
   ¬ interaktive Systeme und 

      Gebrauchstauglichkeit

» Usability Checkliste

» Navigation
   ¬ Informationssuche
   ¬ Informationsarchitektur
   ¬ Information scent
   ¬ Rubrikbegriffe

» Usability
   ¬ Dienstleistungen
   ¬ Methoden
   ¬ Nutzen

Menschen und Computer - interaktive Systeme nach EN ISO 9241-10

In einem interaktiven System stehen die „Kommunikationspartner“ in einer Wechselbeziehung miteinander. Der Mensch interagiert mit dem Computer über eine Benutzer-Schnittstelle wie der Maus oder der Tastatur.

Die Kommunikationspartner unterscheiden sich grundlegend in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten. Obgleich die Wahrnehmung und die Informationsverarbeitung des Menschen sehr beschränkt sind, ist er in der Lage, neue Problemstellungen flexibel zu lösen. Der Computer hingegen interagiert starr und konstant gemäss seiner Programmierung.Titelbild des Buches: The Design of Everyday Things

Der Mensch besitzt die Fähigkeit zu lernen, der Lernwille jedoch ist eingeschränkt. Von einer Software wird beispielsweise erwartet, dass sie ohne schriftliche Anleitung verstanden bzw. angewendet werden kann, dass sie also benutzerfreundlich ist.

Was heisst benutzerfreundlich? Wir empfinden eine Anwendung oder ein Gerät als uns freundlich gestimmt, wenn es für unseren Gebrauch tauglich, sprich gebrauchstauglich ist. Es soll unseren Erwartungen, die wir aufgrund früherer Erfahrungen gebildet haben, entsprechen. Es soll intuitiv benutzbar sein, das heisst nicht unserer gewohnten Arbeitsweise widersprechen und es soll unsere kognitiven Prozesse (Denken, Lernen, Wahrnehmen etc.) nicht überfordern. Die abgebildete Teekanne auf dem Bild würde keines dieser Kriterien erfüllen.

In der Europäischen Norm ISO 9241-10 (1996, überarbeitete Ausgabe ISO 9241-110, 2006) sind Grundsätze zusammengestellt, die bei der Leistungsbeschreibung, Gestaltung und Bewertung von interaktiven Systemen genutzt werden können.

  • ISO 9241-10: Sieben Grundsätze/Kriterien für interaktive Systeme

    • Aufgabenangemessenheit
      Ein interaktives System ist aufgabenangemessen,  wenn es den Benutzenden bei der effektiven und effizienten Aufgabenausführung unterstützt. Dies beinhaltet die Anzeige von benötigten Informationen und eine angepasste Web-Komplexität mit wenigen erforderlichen Arbeitsschritten.

    • Selbstbeschreibungsfähigkeit
      Die Arbeitsschritte bei der Nutzung eines interaktiven Systems sollten unmittelbar verständlich sein, oder dem Benutzenden auf Anfrage erklärt werden (jedoch nicht versteckt hinter undefinierbaren Icons).

    • Erwartungskonformität
      Ein interaktives System ist erwartungskonform, wenn es den Erfahrungen und Kenntnissen der Webnutzenden entspricht. Das zeigt sich beispielsweise in der Anpassung der Sprache, der Funktionalität oder dem Detaillierungsgrad von Informationen etc. Experten eines Fachgebietes sind anders anzusprechen als eine breite Nutzergemeinschaft.

    • Fehlertoleranz
      Ein interaktives System ist fehlertolerant, wenn Benutzende bei der Erreichung des Arbeitsergebnisses vor Fehler bewahrt (Sicherheitsmeldung) oder erkennbare Fehler mit kleinem Arbeitsaufwand behoben werden können.

    • Steuerbarkeit
      Die Steuerbarkeit eines interaktiven Systems beinhaltet, dass Benutzende den Ablauf starten, die Richtung ändern und die Geschwindigkeit beeinflussen können, wie beispielsweise mit einer "Zurück-Funktion".

    • Individualisierbarkeit
      Ein interaktives System soll sich an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse seines Benutzenden anpassen lassen, für eine erfolgreiche Erledigung der Aufgaben. Möglichkeiten wie die Vergrösserung der Schrift entsprechen der Individualisierbarkeit.

    • Lernförderlichkeit
      Ein interaktives System sollte die Benutzenden unterstützen, den Umgang mit dem System zu erlernen. Ein Beispiel dafür ist das Bereithalten von Suchanfragen im Zwischenspeicher bei Suchmaschinen.


    Weitere Kriterien, welchen heute Beachtung geschenkt werden sollte, betreffen u.a. den/die:

    • Joy of use
      Ein positives und genussreiches Erleben der Qualität einer Interaktion. Konsistente aber dennoch Monotonie vermeidende Arbeitsabläufe und Layoutgestaltung der Webseite sind Kernpunkte dieses Ansatzes.

    • Steuerung der Wahrnehmung
      Indem ein minimalistisch gehaltenes Layout die Aufmerksamkeit gezielt zu den relevanten Informationen lenkt.

    • Systemsicherheit
      Trotz fehlerhaften Eingaben des Benutzenden soll das interaktive System stabil arbeiten und die Sicherheit von eingegebenen Daten gewährleisten.

    Haftungsausschluss |  Datenschutzerklärung